In Minahs Brust schlagen zwei Herzen. Draußen in der freien Natur, ohne Lärm und ohne Enge ist sie der freudigste Hund, den ich kenne. Sie rennt um des Rennens willen und lacht dabei so sehr, dass man gar nicht anders kann als mitzulachen. Sie liebt es sich zu bewegen, zu schnuppern, zu springen, zu spielen und sie liebt es umso mehr, wenn sie es mit mir tun kann.

Ihr zweites Herz ist geprägt von Unsicherheit. Sie wuchs mit ihren Geschwistern isoliert in einem Schweinestall auf und kam dann später in ein Tierheim. Dies hinterlies einige Spuren. Mit der Hilfe von Tierkommunikation, einer Aufstellung und viel praktischem Training, kann sie mittlerweile viele Alltagssituationen meistern. Ich bin sehr stolz auf sie, weil sie mir zuliebe immer ihr Bestes versucht und ihre eigenen Grenzen überwindet.

Ihre größte Unsicherheit besteht im Aufeinandertreffen mit bestimmten Typen von Männern. Sie hat es beim Spaziergang gelernt, im Bogen an ihnen vorbeizugehen und zu tolerieren. Allerdings werden sie nicht aus den Augen gelassen.

Als sie mit 1,5 Jahren zu uns kam zeigte sie Verhaltensmuster wie das typische Hin- und Herrennen in Stresssituationen, Schlaflosigkeit, Fluchttendenzen, hinlegen, statt über Grenzen zu gehen (durch Türen, über Hindernisse, auf einen neuen Untergrund usw.) und einiges mehr. Erst Monate später sagen wir, dass sie ihre Rute auch in der Höhe tragen kann. Gemeinsam haben wir es aber geschafft, dass sie schon seit vielen Monaten keine Panikreaktionen mehr zeigt. Natürlich ist und bleibt sie auch weiter ein Hund, der auf einiges unsicher reagiert. Plötzlichem Lärm geht sie aus dem Weg. Aber sie zeigt keine blinden Fluchtreaktionen mehr, sondern sucht meine Nähe, damit wir die Situation gemeinsam meistern. Für dieses Vertrauen bin ich extrem dankbar.

Da ich mit Roan viel auf dem Hundeplatz war und sie immer im Schlepptau hatte, haben wir irgendwann auch mal ein paar Sachen ausprobiert. Ich hatte von Anfang an nicht unbedingt vor, mit ihr intensiven Hundesport zu betreiben. Sie sollte einfach nur ein glückliches Leben bei uns führen, viel Spaß mit Roan haben und mehr war gar nicht mein Ziel. Allerdings zeigte sich recht bald, wie viel Spaß und Talent sie im Rally Obedience mitbrachte und so dauerte es nicht lange und nach einem Jahr Training liefen wir unser erstes Rally Obdience-Turnier. Sie war eine Wucht! Zuverlässig, genau und für ihre Verhältnisse sehr selbstbewusst. Es zeigte sich bald, dass sie beim Arbeiten einen Schalter umlegt und das Gruselige um sie herum weitestgehend ausblendet. Das kenne ich auch von anderen deprivierten Hunden und es freute mich sehr, dass ich so noch etwas fand, um sie innerlich wachsen lassen zu können.

2017 überredete uns dann auch ein Vereinsmitglied dazu die BH mit ihr zu machen, die richtig toll lief, was ich nie so erwartet hätte. Ich war mega stolz auf meine kleine Sternenfee und dankbar, dass Dunja uns dazu gebracht hat, mitzumachen.

Minah und ich fühlen uns sehr miteinander verbunden. Sie vertraut mir, was bei ihrer Vorgeschichte nicht selbstverständlich ist. Natürlich war und ist es viel Arbeit einen deprivierten Hund den Alltag näher zu bringen. Aber wir haben schon so viel geschafft und ich bin immer wieder neu beeindruckt, was für Sprünge sie zwischendurch macht. Diese gemeinsamen Erfahrungen schweißen extrem zusammen. So wie sie von mir lernt, lerne ich auch von ihr. Sie ist in vielen Dingen ganz anders als Roan und ich denke, dass die beiden sich genau deswegen so gut verstehen. Er zeigt ihr, wenn sie in neuen Situationen keine Angst haben braucht und sie ersetzt ihm seine tauben Ohren, indem sie ihm mitteilt, wenn es im Haus klingelt oder ich die beiden zu mir rufe. Die zwei ergänzen sich hervorragend und sind ein tolles Team.