„Frau Conrads, zittern Sie etwa?“

Ja, ich zitterte diese Woche im Unterricht. Meine linke Hand geriet alle paar Stunden außer Kontrolle und ich lief häufiger umher, um meinen Kreislauf anzukurbeln aus Angst, ich würde am Schreibtisch irgendwann zusammen sacken. Ich hatte den ganzen Monat über keine Zeit, um wirklich mal zur Ruhe zu kommen und all die Eindrücke und Emotionen zu verarbeiten. Es war alles zu viel. Viel zu viel – vor allem in den letzten beiden Wochen.

Mir war klar, dass der Januar anstrengend werden würde und das war auch okay – aber die vielen zusätzlichen Belastungen waren dann doch grenzwertig. Es gibt so einen passenden Spruch von John Lennon: „Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ Zwar gingen meine Pläne auf, aber unter erschwerten Bedingungen. Ich fühlte mich schon seit Jahren nicht mehr so ausgelaugt, wie in den letzten Tagen.

Nun hab ich endlich mal wieder ein paar Stunden mehr geschlafen und auch tagsüber Zeit für mich und kann den vergangenen Monat mit ein wenig Abstand betrachten. Es ging sehr entspannt los – denn wie immer verbrachten wir Silvester in der Uckermark und ich fühlte mich endlich wieder zu Hause. Ein Gefühl, das ich nur dort habe.

Geplant waren neben der Zeugniserstellung einige wichtige Termine bei der Arbeit – unter anderem eine Vorführstunde vor meiner Schulleiterin im Rahmen meiner dienstlichen Beurteilung. Ich hab zwar noch kein Ergebnis erhalten, aber die Stunde verlief sehr gut und „meine“ Kinder waren extrem bemüht, alles richtig zu machen. Nicht geplant waren Hiobsbotschaften von Eltern und einer Kollegin, welche mich sehr belast(et)en.  Und dann war noch nicht einmal meine Lieblingskollegin da, mit der ich immer Freud und Leid teile und die ich wirklich sehr vermisste.

An einem Wochenende fuhr ich zur SKN-Schulung und Fachausschusssitzung Rally Obedience und das folgende Wochenende verbrachte ich von Freitag bis Sonntag bei Nürnberg, bei der Eignungsprüfung für Wertungsrichter. Nette, aufgeregte Leute. Sehr, sehr viel Input. Nächte allein im Bett (gar nicht mein Ding). Spaß – vor allem beim Bau und kurzen Richten meines Parcours. Geduldige Richterinnen. Die Entstehung von Insider-Witzen (BLUTOHR!). Viel Fremdemotion. Sympathische Franken mit leckerem veganen Essen. Und eine bestandene Prüfung. Zum Glück. Denn drei von uns acht Anwärtern bestanden leider nicht, was die Freude über mein eigenes Bestehen etwas schmälerte. Sonntag Abend fuhr ich dann mit der kranken Dani wieder nach Hause und ging am Montag wieder arbeiten. 

Alles sehr anstrengend, aber machbar.

Nicht geplant war, dass Roan innerhalb von zwei Tagen extrem krank werden würde. Und mit extrem meine ich wirklich extrem. Freitag ging es los, Samstag war klar, dass das kein „Ich hab irgendeinen Mist gefressen“-Durchfall war. Ich fuhr also in eine Tierarztpraxis, die auch am Wochenende geöffnet hat und landete bei einer ganz wunderbaren Tierärztin. Man kann da ja auch wirklich Pech haben – aber diese Frau war ein Glücksgriff. Fachlich, sowie zwischenmenschlich. Roan hing mehrere Tage am Tropf. Ab Samstag Nacht wollte er nicht mehr fressen, nicht mehr laufen. Einfach gar nichts mehr. Ich lag neben ihm. Stunde um Stunde. Tag um Tag. Trug ihn kurz raus. Versuchte möglichst wenig zu heulen. Konnte selbst nichts essen und trinken und hatte tierische Angst, dass wir ihn verlieren würden. Uli stärkte mir den Rücken und kümmerte sich solange um Minah. Alle möglichen Tests und Untersuchungen ergaben zwar Nebenbefunde, aber keine Ursachen. Kot konnten wir nicht untersuchen, weil nichts mehr rauskam. Ich kürze das Ganze jetzt ab, weil ich merke, dass mir wieder mulmig wird: Es geht ihm heute sehr gut. Er ist wieder fast der Alte – frisst, bettelt, bollert und nervt Herrchen. Vermutungen über die Ursache(n) gibt es auch, aber warum seine Symptome so massiv ausfielen – wer weiß. Vielleicht weil er eben schon 14 ist und weil er als mein kleiner Dämon auch meinen eigenen Stress auslebt. Wie auch immer. Der Bollerkopp ist wieder zurück im Leben und bei all den Eindrücken in diesem Monat, ist das das einzige, was momentan wirklich zählt. Sicher werd ich mich auch demnächst über meine Erfolge der letzten Wochen freuen können. Aber vorerst genieße ich jeden Morgen, den ich neben Roan aufwachen darf und bin dankbar, dass er an unserer Seite ist. Er wird auch noch in den kommenden Tagen behandelt, aber es sieht alles so aus, als wäre das Übelste überstanden.

Und ich freue mich, dass ich, obwohl ich mich in diesen schlimmen Tagen sehr abkapselte, dennoch nicht allein gelassen wurde. Menschen, die ich liebe, waren für mich da und sogar eine Kollegin, von der ich das nicht erwartet hätte, fieberte mit mir mit. 🙂  

Nun haben wir erstmal eine Woche frei, in der ich ausschlafen kann, ganz in Ruhe das kommende Schulhalbjahr vorbereite und wieder etwas mehr auf mich Acht gebe. Gestern wollte ich wieder anfangen mit Minah zu meditieren. Aber der Bollerkopp erfreut sich momentan sehr an seiner neu gewonnenen Energie und drückte mir alle Minuten mit voller Wucht seine nasse Nase ins Gesicht. Hab dann zwar nicht meditiert, aber immerhin viel gelacht. 😉