Es ist noch nicht einmal 20 Uhr und am liebsten würde ich mich schon ins Bett legen. Roan unter meiner Decke. Minah daneben, fest an mich herangedrückt. Seit der heftigen Kältewelle steht mir der Sinn nach Winterschlaf. Ich hätte gerne meine eigene Winterschlaf-Kuschelhöhle. Mit einem Kühlschrank, gefüllt mit Avocado-Makis , Tofu-Sommerrollen und veganer Schokoladentorte, für den Fall, dass ich zwischendurch mal wach werde. Zum Glück geht es nicht nur mir so, sondern auch meinen vierbeinigen Freunden, so, dass wir tatsächlich viel Zeit zusammen verschlafen können. Irgendwie war es ja auch einfach nur bitterkalt, aber gar nicht winterig (schönes Wort!). Wo war der knirschende Schnee, in den Roan so gerne seine dicke Nase steckt? Ich hab ihn hier dieses Jahr wirklich sehr vermisst.

Aber eigentlich waren die letzten Wochen gar nicht einschläfernd. Ich war bei einem wundervollen Klavier(und mehr)konzert von Martin Herzberg, den ich bis dato nur aus dem Internet kannte. Meine neue Erkenntnis: Klavier und Beetbox passen hervorragend zusammen.

Dann bekamen die SchülerInnen meiner Klasse ihr erstes Notenzeugnis. Ganz viel Aufregung an den Tagen zuvor und am Stichtag nur einmal Tränen – und die kamen vor Erleichterung. Ich bin wirklich total happy mit „meinen“ Zwergen und habe es noch keinen Tag bereut, neben einer Fachlehrerin, auch eine Klassenlehrerin zu sein. Meine Klasse ist sehr heterogen und jeder ist auf seine Weise sehr liebenswert. Ich habe jede Woche sehr viele schöne Momente mit ihnen und mag keinen von ihnen mehr hergeben. 

Einige Tage später war ich noch einmal bei Iljana um mir beibringen zu lassen, wie Aufstellungen funktionieren. Wir haben das anhand von Minahs Vergangenheit und Gegenwart getan und es war unheimlich beeindruckend. Ich wusste nicht im Detail, worauf ich mich einlassen würde und es fühlte sich extrem komisch an, die Gedanken anderer zu haben und auszusprechen. Nach einigen Stunden war ich ein wenig benommen von so vielen neuen Eindrücken, fremden Gedanken und der Einsicht, dass man mit Aufstellungen Großes erreichen kann. Zwei Wochen später machte ich dann meine erste eigene Aufstellung und es klappte hervorragend. Es ging in eine vollkommen unerwartete Themenrichtung, die aber so viele Fragen klären konnte. Aufstellungen sind wirklich eine spannende Sache und die nächste steht in Kürze an.

Ebenfalls im Februar traf ich mich mit meinen TH-Mädels. TH = Tough Hunter. An einem geistig umnachteten Abend beschloss ich, mich beim Tough Hunter 2018 in Berlin anzumelden. Ähm ja… ich wundere mich auch 3 Monate später noch über diese Entscheidung. Ich werde dann im Oktober sehen, ob sie richtig war. Manchmal geben uns die Dinge, vor denen wir Angst haben nach deren Bewältigung ein großes Gefühl von Freiheit und auf dieses Gefühl hoffe ich.

Ich überlegte, wen ich mit ins Boot holen könnte und natürlich fiel mir sofort Nadine ein, denn sie ist ebenso verrückt wie ich (also eigentlich noch verrückter, aber es wäre unhöflich hier zu schreiben, dass das so ist). Als wir die Sache auf Facebook publik machten, fanden sich noch weitere Interessierte ein und obwohl Nadine und ich mehrfach beteuerten, dass wir viel mehr lachen als rennen werden, hatten sie Lust sich uns anzuschließen. Jedenfalls lernten wir uns jetzt erst einmal alle kennen und ich finde unsere Truppe unheimlich sympathisch. Am kommenden Wochenende lernen sich dann auch unsere Hunde kennen. Ich freu mich drauf. Seit einiger Zeit ist Minah fremden angespannten Hunden gegenüber ähnlich angespannt und auch einige Hunde meiner Mitstreiterinnen nehmen Hundekontakt nicht immer auf die leichte Schulter. Aber wir sind ja alle keine Anfänger und werden erstmal entspannt mit den Hunden an der Leine spazieren gehen. 🙂

Mit Nadine haben wir schon ein klein wenig zusammen trainiert. Laufen, Klettern und vor allem Lachen. Es war total witzig und es hat Spaß gemacht an unsere Grenzen zu kommen, auch, wenn unser beider Grenzen (noch) sehr schnell erreicht sind.

Mit meiner Jenny habe ich dann das Gegenteil ausgelebt: Lecker Essen, kindische Frauen-Sachen machen und einfach mal nichts tun. Wir feierten unseren zweiten Freundschafts-Jahrestag und ich freu mich schon auf alle, die da hoffentlich noch kommen mögen.

Roan und Minah geht es gut. Als es sehr kalt war, mochten sie nicht wirklich lange draußen bleiben. Ausflüge nach Brandenburg fanden auch nur sehr vereinzelt statt und Uli schlug uns stattdessen Wälder in Berlin vor. Zu meinem Erstaunen waren diese, wie zum Beispiel der  um den Teufelsberg, viel weniger frequentiert als erwartet und so waren auch diese „Stadtausflüge“ richtig schön. Minah hat an ihrem eigentlich fast nackten Bäuchlein Flauschefell bekommen. Das wird jetzt täglich von mir gekrault, bevor es bald wieder verschwindet. Es fasst sich an wie ein Welpen-Bäuchlein.

Roan hatte zwischenzeitlich eine Erkältung. So lief er draußen nur noch im Mantel umher und trug einen Schal. Über seine Möhrchensuppe freute er sich dann sehr. Ich muss mich einfach daran gewöhnen, dass mein Zauselchen jetzt bei Minusgraden immer einen Mantel trägt. Mit seinen 13 Jahren friert er viel schneller als früher. Aber es geht ihm jetzt wieder gut und er sitzt gerade neben mir und fragt, ob er die Leckerlis aus meiner Hosentasche haben kann. 😉

Letztes Wochenende durften wir hier in Berlin ja ein wenig vom Frühling kosten. Die Sonne kitzelte im Gesicht und man traute sich sogar das Wort „warm“ in den Mund zu nehmen. Die Vögel feierten das Wetter, genauso wie wir Menschen und Hunde und Roan und ich saßen sogar für einige Minuten auf dem Balkon, bis es dann doch zu kalt wurde.

Frisch und fröhlich vom sonnigen Wochenende stand ich gestern früh auf und wollte eine Runde Gassi gehen. Leider hatte ich die Vorwarnungen der Medien nicht mitbekommen. Ein Schritt aus der Haustür und ich lag am Boden. Es war spiegelglatt. Ich ließ im Flug die Leinen fallen und bevor ich realisierte, dass ich mir weh tat, rief ich Minah wieder zu mir. Ich befürchtete, dass beide Hunde auf die Hauptstraße nebenan laufen könnten. Minah hatte sich zwar vor meinem Sturz erschrocken, kam aber ganz brav. Tja – aber wie sollte ich den tauben Roan rufen? Mein kleiner unheimlich egozentrischer Beagle-Mann, der es kaum erwarten konnte im Park alles nieder zu markieren guckte mich sorgenvoll an und kam von sich aus zu mir gelaufen. Strike! Er liebt mich also doch. 😀

Ich rappelte mich auf und lief dann über den Rasen Richtung Park. Hmmm… die Hose war nicht kaputt, obwohl ich auf meinem einen Knie landete. Aber irgendwann fühlte sich mein Bein ein wenig nass an… Um die Ekligkeit des Ganzen (tägliche Update-Fotos werden per whatsApp nur den ganz harten zugeschickt) abzukürzen: Überraschend viel Blut für so eine kleine Wundfläche. Stark geschwollen. Multicolor und heftig Aua. Tough (Hunter) wie ich bin, bin ich dann trotzdem eine Stunde später samt doppeltem Kompressen-Verband zur Arbeit gehumpelt und durfte dort erstmal das Mitgefühl meiner Zauberklasse ergattern. Es ist nichts Wichtiges kaputt, so dass ich selbst fleißig desinfiziere und dann wird es schon. Und wenn ich dann am Wochenende beim Tough Hunter-Training versage, hab ich immerhin eine tolle Ausrede. 😉

Jetzt schneeregnet es gerade schon wieder draußen – der Frühling lässt wohl weiterhin auf sich warten. Also gehe ich jetzt mit Schnuffel und Puffel ins Bett und genieße unsere Kuscheleinheiten. Leider ohne Avocado-Maki-gefüllten Kühlschrank.