Schon seit einigen Tagen befinden wir uns im neuen Jahr und der ein oder andere kann noch den Enthusiasmus des Neuanfangs erspüren, auch wenn sicher nicht mehr so stark, wie in der Silvesternacht.

Die Rauhnächte habe ich dieses Jahr außerordentlich genossen, war ich doch in Berlin immer umgeben von zwei Menschen, die ich sehr liebe. Den stilleren Teil dieser Zeit erlebte ich in der Uckermark. Wo sonst? 😉

Roan, Minah und ich waren neun Tage dort und es war mal wieder wie nach Hause kommen. Diesmal hatten wir ein sehr großes Haus und ein tolles Grundstück für uns allein. Ich genoss es auszuschlafen, mit mir allein zu sein und mein Rauhnächte-Buch mit meinen Gedanken zu füllen. Wenn es hell war, gingen wir meist lange spazieren. Vom Dorf aus führen mindesten zwei Feldwege durch das schöne Randowtal und nur sehr selten begegnet man dort jemandem. Schon gar nicht zu den Festtagen. Und erst recht nicht, wenn der Himmel eher grau ist. Beregnet wurden wir allerdings nur ein einziges Mal und so genossen wir oft die Weite des Landes. Vor allem Minah flitzte jeden Tag über die Wiesen und freute sich ununterbrochen. Sie gehört dorthin. Genau wie ich. Am Abend saßen wir oft auf dem Grundstück in der Finsternis und ich bestaunte den Sternenhimmel. Zwar hörte man je nach Windrichtung die nahe gelegene Autobahn, aber für jemanden, der in Berlin lebt, fällt das kaum auf. Eher rückte der allabendliche Kuhdung-Duft ins Zentrum der Aufmerksamkeit und manchmal hörte man auch die Kühe muhen. Das Grundstück ist eingezäunt, so dass Roan jeden Morgen den Geruch der Nachbarskatze aufnehmen konnte und ihre Spuren verfolgen durfte. Minah warf sich mit Genuss immer wieder in das hohe Gras und ab und an ließ ich sie Dummies apportieren. Es ist immer wieder erstaunlich wie sich dort für mich ein Tag füllen kann, ohne Hektik und ohne Langeweile. Am späten Abend schrieb ich mit Jenny oder telefonierte mit Uli und gute Musik tat ihr übriges. 

Silvester war es etwas lauter als gedacht. In den vergangenen zwei Jahren wurde nur sehr vereinzelt im Dorf geböllert. Dieses Jahr legte es jemand darauf an die ganzen Wolliner Geister selbst zu verjagen. Derjenige wohnte nur zwei Häuser weiter, so dass wir das Spektakel dann doch direkter wahrnahmen, als ich eigentlich gehofft hatte. Minah zeigte sich auch etwas beunruhigt, aber als ich mich zu ihr legte und ihre Ohren massierte, schlief sie sogar ein. Gegen ein Uhr war das Geböllere aber auch schon wieder vorbei und lediglich am Folgetag hörte man noch vereinzelt die ein oder andere Rakete. Aber alles in Maßen und kein Vergleich mit Berlin, wo Minah wahrscheinlich Todesängste hätte ausstehen müssen. Und das nicht nur in der Silvesternacht.

So zogen die Tage dahin. Entspannt. Glücklich. Gesegnet. Ich konnte immer mehr das Verletztende, das 2017 geschah, akzeptieren und loslassen und Vertrauen darin fassen, was sein wird. Je stiller es um mich herum wird, desto lauter höre ich meine Gedanken. Ich höre sie an, um sie dann wieder loszulassen. So, dass es bald ganz still in mir wird. Dann gibt es kein Ziel mehr. Nichts mehr zu tun. Und alles ist ruhig. Es gibt kaum noch Gedanken, nur noch Gefühle. In den letzten Jahren gelingt es mir immer schneller in diesen Zustand zu kommen und ich hoffe, dass ich ihn irgendwann auch außerhalb der Uckermark und außerhalb des Alleinseins erreichen kann. Denn so, wie man innerlich ist, so erlebt man auch seine Außenwelt und wenn man in sich ruht, sieht man alles in einem viel schöneren Licht. 

Ich bin gespannt, was das Jahr 2018 bringen wird. Das letzte Jahr war anstrengend, aber nicht im schlechten Sinne. Ich durfte mich sehr viel mit mir und meiner Liebe zu anderen Menschen auseinandersetzen. Damit, was mir Freundschaft bedeutet, wer mich in sein Herz geschlossen hat (und das als wahr anzunehmen) und von wem ich mich verabschieden muss. Ich habe eine neue liebende Seite an mir kennenlernen können, von der ich gar nicht wusste, dass sie so stark in mir existiert und gelebt werden will. Und zum ersten Mal wurde ich sehr von jemandem enttäuscht und hege keinerlei Groll. Ich habe verstanden, dass wir eigentlich selten von anderen enttäuscht werden, sondern uns meist selbst enttäuschen mit ungerechtfertigten Erwartungen und Ansprüchen.

2018 wird einige Veränderungen mit sich bringen. Es gibt kleinere Dinge die ich mir vorgenommen habe, um wieder mehr bei mir und mit mir zu sein. Und Dinge, die mich wieder mehr mit so manchem Menschen verbinden können. Mein allergrößter Wunsch ist es aber, dass Roan in einem Jahr um diese Zeit noch genauso fit ist, wie jetzt. Dass er auch weiterhin vollkommen mühelos seine 12 km in der Uckermark reißt und anschließend nochmal einen Flitz bekommt. Er liebt das Leben so sehr. Wenn das so bliebe, wäre ich schon mehr als zufrieden mit dem neuen Jahr. 🙂

Ich wünsche euch und euren Liebsten ein wunderbares 2018, dass ihr euch wo immer ihr auch seid, geborgen fühlen könnt, immer ganz genau wisst warum ihr etwas tut und den Mut habt, eurer Leidenschaft nachzugehen.