Jeden Tag treffen wir Entscheidungen. Kleine und große. Wichtige und welche, deren Konsequenz wir kaum spüren. Entscheidungen, die nur uns treffen und Entscheidungen, die auch andere berühren. Entscheidungen, die unseren Weg und uns verändern. Entscheidungen, die uns größer machen oder die wir für immer bereuen.

Häufig brauchen wir lange für eine Entscheidung. Wir wägen ständig ab, beurteilen die Pros und Contras, um dann doch nach unserem Bauchgefühl zu handeln.

Manchmal entscheiden wir aber auch sehr schnell, setzen dies dann um und tun uns sehr schwer mit den Konsequenzen.

So geht es mir im Moment. Ich hardere sehr mit einer Entscheidung. Täglich. Stündlich. Tief in mir denke ich weiterhin, dass ich richtig entschieden habe… dass es eines Tages leichter wird. Aber es fühlt sich alles falsch an seitdem. Mir war seit über einem Jahr klar, dass diese Tage kommen würden und auch, wenn wir auf Schmerz vorbereitet sind, macht es ihn nicht immer leichter. Eine Entscheidung zu treffen ist eine Sache. Mit ihr zu leben eine ganz andere.

Ich habe mich in einem anderen Menschen gefunden, sah in seine Seele und erkannte mich. Doch von diesem Moment an gab es uns beide nicht mehr ohne den anderen. Das bringt Probleme mit sich von denen ich in den vergangenen Monaten immer mal wieder schrieb. Es kostete mich sehr viel Kraft diese Freundschaft mit ihren abstrakten Grenzen aufrechtzuerhalten. Grenzen, die eigentlich keiner von uns wollte, aber die dennoch notwendig waren. Für andere.

Ich glaube sehr fest daran, dass bestimmte Menschen füreinander bestimmt sind. Doch nicht für jeden Zeitpunkt. Vielleicht noch nicht einmal für dieses eine Leben.

Jetzt arbeite ich mich von Tag zu Tag durch und jeder einzelne ist so unfassbar anstrengend. Ich versuche mich wieder in mir ganz allein zu finden. Ertrage es, dass ich mich nicht mehr lebendig fühle, aber halte an der Hoffnung fest, dass es bald wieder bergauf gehen wird. Ich hatte Angst vor diesen Tagen. Dennoch diese Entscheidung gefällt zu haben sorgt dafür, dass ich mich freier fühle. Nicht glücklicher, aber freier. Ich will vor nichts Angst haben.

Menschen, die mich lieben und die ich liebe haben es nicht leicht. Manchmal bin ich so verzweifelt darüber, dass ich keine Kontrolle darüber habe wen ich wie liebe, dass ich zumindest die Kontrolle über unsere Handlungen behalten will. Ich glaube, dass ist bei vielen der Grund dafür, dass sie jemanden verlassen, „bevor er/sie es tun kann“. Kontrolle behalten. Würde bewahren. Zum Teufel mit der Würde!

Ich bin froh, dass ich jetzt so wundervolle Menschen an meiner Seite habe. Menschen, die ganz praktisch helfen, indem sie Roan, Minah und mich raus in die Natur mitnehmen, weil wir weiterhin kein Auto haben. Letztes Wochenende nahm uns Carola mit und heute Nadine. Das tut gut. Das lenkt ab. Danke dafür!

Meine Jennifer ist immer bei mir – lachend und weinend – und nie müde werdend mit mir über meine Entscheidung zu sprechen. Sie gibt mir so viel Zuversicht, dass ich gar nicht umhin komme, ihr zu glauben, dass alles wieder gut wird. Wir tragen uns gerade gegenseitig. Sie hält mich, wenn ich wankend über den Weihnachtsmarkt auf dem Gendarmenmarkt gehe und unterstützt mich, wenn ich sinnlos viel Geld für Weihnachtsdeko ausgebe. So muss eine gute Freundin sein! Nicht nur für mich da, wenn ich sie zum Lachen bringe, sondern auch, wenn ich Halt brauche. Zudem überraschte sie mich auch noch mit einem selbst gemachten veganen Adentskalender. Das ist so süß, dass man ohne Probleme die eigene Traurigkeit für einige Momente vergessen kann.

Und dann ist da mein Uli, den ich nun seit 17 Jahren kenne und liebe. Er schenkt mir Geborgenheit und gleichzeitig die Freiheit ich selbst zu sein. Er hat es nicht immer leicht mit mir. Er hätte eine andere Frau wählen können. Eine mit weniger anstrengenden Gedanken, weniger Wünschen, weniger Ansprüchen, weniger Hunden. Aber er wählte mich und bleibt scheinbar auch dabei. Ganz schön masochistisch der Mann. 😉  

Heute ist der erste Advent. Und es geht mir besser als gestern und vorgestern und vorvorgestern… Meine Entscheidung ist schwer, aber sie war richtig. Denke ich. Ich gebe mir jetzt einfach ein paar Wochen Zeit um besser damit umgehen zu können und irgendwann werde ich wieder andere Dinge finden, durch die ich mich lebendig fühle. Da bin ich ganz sicher. Mit Roan und Minah an meiner Seite sollte das kein größeres Problem werden. 🙂

Ich wünsche jedem Leser und jeder Leserin dieses kleinen unbedeutenden Blogs einen wunderbaren ersten Adventsabend und mindestens ein Pendant zu einem Uli, einer Jenny, einer Carola oder einer Nadine in seinem/ihrem Leben.