Der 31.10. ist ein Super-Duper-Tag. Nicht, weil Martin Luther seine Thesen anschlug und auch nicht, weil verkleidete, nach Süßigkeiten fordernde Kinder mir keine Ruhe am Abend gönnen.

Am 31.10.2004 wurde der Bollerkopp geboren und schon wenige Tage später konnte ich den kleinen Wurm in meinen Händen halten. 13 Jahre ist er nun geworden und abgesehen von Taubheit und unregelmäßigem Humpeln geht es ihm verdammt gut. Er ist flott unterwegs – manchmal viel zu flott. Er arbeitet gerne und gut und er bollert umher, als wäre er gerade mal zwei Jahre alt. Mittlerweile sind wir an den Punkt gekommen, an dem ich unser Zusammenleben sehr bewusst jeden Tag genieße. Mir ist klar, dass wir keine weiteren 13 Jahre vor uns haben und ich freue mich über jeden schönen Moment mit meinem kleinen Zausel. Es vergeht kein Tag, an dem ich ihm nicht sage, wie lieb ich ihn hab.

An seinem Geburtstag wollten wir seiner Lieblingsbeschäftigung nachgehen und trailen. Als wir fast unser Ziel erreichten, machte mein Auto plötzlich sehr ungesund klingende Geräusche. Wir versuchten noch weiterzufahren, aber bei mehr als 10 km/h bekam ich Todesangst. Also riefen wir den ADAC. Vermutung: Stoßstange aus Karosserie gerissen. Bloß nicht weiterfahren. Der nette gelbe Engel rief einen weiteren dazu, der uns dann abschleppte. Leider durfte ich nicht im Auto bleiben und so fuhren Roan und Minah tapfer allein in unserem Auto auf dem Abschleppwagen, während ich sie besorgt im Rückspiegel beobachtete.

Die Männer vom ADAC waren toll. Sehr freundlich, sehr aufmunternd und sie brachten uns sogar zu unserer Wunschwerkstatt, was sie ja vertraglich gar nicht müssen. Da Feiertag war, ließen wir Matze, mein Auto, dort und Ulis Kumpel holte uns dankenswerterweise ab und brachte uns alle nach Hause.

Erst am Abend begriff ich, dass wir wirklich Glück hatten. Nur wenige Minuten zuvor fuhren wir auf der Autobahn. Wer weiß, was passiert wäre, wenn die Stoßstange dort abgerissen wäre.

Am nächsten Tag stand dann fest: Matze ist schwer krank. Man hätte ihn reparieren können, aber die Kosten wären völlig überdimensioniert gewesen in Anbetracht des Verkaufswertes. Nun wird er uns verlassen und jemanden in Afrika glücklich machen.

Ich mochte Matze sehr. Unheimlich zuverlässig, schön schnell auf der Autobahn und in jeder Ritze ein Beagle-Haar zu finden.

Und nun sind wir seit fast einem Monat autolos und es ist ganz ganz ganz schrecklich. Ich fühle mich unheimlich eingesperrt, vermisse meine Dosis Felder und Wälder und mag kaum noch vor die Tür gehen, weil ich der Stadt ja eh nicht entfliehen kann. Zum Hundesportverein können wir auch nicht mehr fahren und so bleibt uns nur morgens ein bisschen Freilauf, wenn alle anderen noch schlafen.

Was macht man, wenn man als Herzländlerin in der Stadt eingesperrt ist? Man macht ständig komische Selfies von sich und seinen Hunden. Bewundert seine blauen Flecke, die aussehen wie Smilies. Macht davon Handyfotos. Schreibt stundenlang Nachrichten per whatsapp, bis einem die Finger weh tun. Bearbeitet seine komischen Selfies mit ständig neu heruntergeladenen Apps. Guckt sich jedes einzelne Weihnachtsdekostück bei DM an und stellt es wieder zurück, weil man ja für ein neues Auto sparen muss. Guckt sich die Schnulze „Tatsächlich Liebe“ an und heult. Guckt sich eine Doku über die Uckermark an und heult. Strebert bei seinem Fernstudium. Hilft seiner Jenny beim Malern und macht komische Selfies mit ihr. Holt seinen Hochzeitstag nach und bringt ein Liebesschloss zu seinem Bestimmungsort. Macht ein Foto davon. Kocht und backt und brät ständig was Leckeres oder Unleckeres und nimmt sich plötzlich ausgiebig Zeit für Wochenend-Frühstücke. Natürlich auch mit Foto. Findet ungeahnte tolle Verstecke für Dummies, um die Hunde irgendwie auszulasten. Investiert Unmengen von Zeit darin, ein neues Auto zu finden.

Das Auto ist jetzt mit Hilfe von meinem Schatz und günstigen Beziehungen gefunden. Endlich. Ein sehr sehr steiniger Weg, der uns ganz schön Nerven gekostet hat. Aber ich denke, es hat sich gelohnt. Doch es ist noch nicht da. Ich freu mich schon so tierisch drauf, fühle mich aber auch ein wenig verunsichert, da ich bisher keine 3000€ für ein Auto ausgegeben hatte und es nun deutlich mehr wird. Dafür hoffe ich ganz doll, dass ich die nächsten zehn Jahre mehr oder weniger Ruhe hab und mich in einiger Zeit voll und ganz anderen sehr teuren Plänen widmen kann. Landplänen.

Bis also mein neues Autochen angekommen ist, streife ich weiter durch die Deko-Abteilung der DM-Läden und mache komische Selfies von den Hunden und mir. Der Wahnsinn macht sich immer breiter…