Ratschläge erteilen… wer hat das nicht schon einmal getan? Oft empfindet man sich dabei als hilfreich, zweckerfüllend, gut. Das Gefühl gebraucht zu werden, ist ein wunderbares und jemandem einen Ratschlag zu geben sorgt häufig dafür, dass wir uns wichtiger fühlen. Wichtig für jemanden.

Es gibt auch die Momente, in denen man keinen Ratschlag will. In denen man einfach nur aussprechen möchte, was einem auf der Seele liegt, um dann ein zustimmendes Nicken zu erfahren oder auch mal in den Arm genommen zu werden und in denen ein nüchterner Rat nicht weiterhilft.

Und dann gibt es Ratschläge, die man anderen erteilt und die manchmal tatsächlich dafür sorgen, dass derjenige sich vom Rat erschlagen fühlt.

Wenn mir Menschen am Herzen liegen und sie gerade in einer muffeligen Laune sind, versuche ich ihnen oft klarzumachen, wie gut es ihnen doch eigentlich geht – wie dankbar sie sein können für das, was sie haben. Heute Morgen wurde mir bewusst, dass das aber manchmal gar nicht geht.

Ich wachte sehr muffig auf. Einfach so. Ohne richtigen Grund. Als ich eine Runde mit den Hunden drehte, dachte ich daran, wie schrecklich undankbar ich doch bin. Immerhin hatte ich meine beiden zauberhaften Hunde bei mir und eine Woche ohne Schule vor mir. Und was geschah? Ich war jetzt nicht nur muffig, sondern auch noch aufgrund meiner arroganten Undankbarkeit böse auf mich selbst. Klasse…

Vielleicht sollte man nicht allzu freigiebig mit Ratschlägen sein. Mir ist schon so manches Mal aufgefallen, dass es sinnvoller sein kann, die richtigen Fragen zu stellen, statt dem Ratsuchenden eine konkrete Antwort zu geben. Das ist bei meinen Schülerinnen und Schülern so. Und das ist oft auch bei mir selbst so.

Manchmal weiß man auch, dass ein Ratschlag vielleicht richtig oder zielführend sein kann, aber man ist gar nicht in der Lage, ihn einzuhalten. Zum Beispiel, wenn es darum geht, sich von jemandem fernzuhalten (mit einem Zwinkern nach Hude). Manche Risiken müssen einfach eingegangen werden. Die besten Dinge in meinem Leben bargen ein Risiko. 

Einen bestimmten Ratschlag werde ich in Zukunft sicher auch nicht mehr geben. Meist bekamen ihn meine Trainees zu hören, wenn sie vor einem Turnier nervös waren. Es ist der Satz: „Sieh deinen Lauf einfach als Training an.“ Ich erlebe gerade, dass das totaler Unsinn ist. Nächste Woche starte ich beim RO-Turnier in Lübbenau.

Es ist das erste Turnier für Roan und mich, auf dem wir ausschließlich nonverbal kommunizieren können, denn mein Schatz würde mich nur hören, wenn ich ihn erheblich anbrüllen würde. Und das werd ich natürlich nicht. Wer die Klasse 3 kennt, hat eine Ahnung, wie viele Sichtzeichen das sind. Nur weil er das Zeichen für ein Steh aus dem Sitz versteht, heißt das noch lange nicht, dass er das gleiche Zeichen für ein Steh aus der Bewegung annimmt. Hinzu kommen noch die ganzen neuen Schilder aus allen Klassen. Er verwechselt noch so einiges und schnelle Kommandoumsetzungen im Laufschritt sind enorm schwer für uns. Die Hürde findet er ohne Lautzeichen kaum und wie ich ihn ohne böse zu reden von der Futterverleitung wegbekommen soll, sobald er mich nicht mehr anschaut, weiß ich auch nicht. Lange habe ich überlegt, ob ich in der Seniorenklasse starten soll, aber dafür ist er mir einfach noch zu fit und einmal bei den Senioren gestartet, komm ich da ja auch nicht mehr raus. Also probieren wir es jetzt einfach. Da wir ja doch recht erfolgsverwöhnt sind, wird das ganz schön komisch werden. Und klar – ich sollte die ersten gehörlosen Turniere als Training ansehen. Aber ich merke gerade, wie verdammt schwer das fällt.

Und dann ist da Minah. Da könnte es eventuell etwas leichter werden mit der Trainingseinstellung. Die Sternenfee kann zwar alle Übungen, reagiert aber mal mehr und mal weniger verschreckt auf neue Plätze und Menschen. Möglicherweise wird sie Richterin + Schreiber auf dem Platz ausweichen wollen. Oder sie erschreckt sich vor einem lachenden Mann, der am Rand steht. Oder sie gruselt sich vor Pylonen, die anders aussehen als unsere. Oder ein großes Blatt fliegt vorbei… 😉 Und dann ist da ja noch die Halsbandkontrolle… Ich weiß nicht, wie sehr sie all dies ausblenden kann.

Dieses Jahr entscheidet darüber, ob ich eine „Turnierkarriere“ mit ihr anstreben werde oder nicht. Ich würde mich sehr darüber freuen. Aber wenn nicht, gibt es auch viele andere tolle Abenteuer, die wir bestreiten können.

Ich wünsche euch eine nicht muffige Woche! 😉