Die letzten Wochen waren ganz schön hart für mich. Von himmelhoch jauchzend über zu Tode betrübt und wieder zurück zu himmelhoch jauchzend.

Vor zwei Wochen kam mir jemand ungeheuer nah und ich reagierte, wie ich es schon seit Jahren nicht mehr tat. Ich wurde panisch. Panisch, weil ich merkte, dass ich keine Kontrolle über das hatte, was mit uns geschah und das Schlimmste als Folge befürchtete. Also tat ich, was vermeintlich getan werden musste. Ich versuchte, diesen Menschen loszuwerden. Praktisch, sowie gedanklich. Aber wie soll das gehen? Was im Herzen ist, kann den Kopf nicht verlassen.

Kontrolle. Sie zu verlieren kann ziemlich beängstigend sein und das, obwohl wir sie eigentlich nie besitzen. Ständig wiederfahren uns Dinge, mit denen wir nie gerechnet hätten. Wir werden überrascht von den Handlungen anderer oder dem, was diese Handlungen in uns auslösen. Das Leben nimmt uns Möglichkeiten und schenkt uns wieder andere. Und dennoch sind wir der Ansicht, wir würden unser Leben kontrollieren können. Wie naiv.

Nachdem ich versuchte, diese Nähe zu unterbinden, ging es mir in den kommenden Tagen unheimlich mies. Nichts machte mehr Spaß. Die Arbeit plätscherte vor sich hin, ohne, dass ich sie wirklich wahrnahm. Ich wollte keine Musik mehr hören, keine Unterhaltungen führen, nicht mehr die Hunde trainieren, nicht mehr lesen… Stattdessen dachte ich viel über mich nach. Stunde um Stunde, bis mir klar wurde, was eigentlich passiert war. Bis ich wusste, wovor ich solche Angst hatte. Angst vor Konsequenzen, die ich nicht beeinflussen kann. Angst davor, mich jemandem so nah zu fühlen, dass es für ihn ein Leichtes wäre mir wehzutun. Angst davor, Nähe zu sehr zu genießen, so dass ich sie nie wieder missen will.

Aber wie dumm ist das? Wenn wir keine Nähe zulassen können, verbieten wir uns auch sie zu genießen. Verbieten wir uns sie zu leben und damit verbieten wir uns auch überhaupt zu leben. Das Leben zu erleben.

In dieser schmerzhaften Woche voller Auseinandersetzung mit mir, meiner Vergangenheit und der Reue über das Wegstoßen, haben mich vier Worte innehalten lassen. Es waren vier und nicht die berühmten drei Worte. Obwohl ich ein ehrliches „Ich liebe dich“ auch sehr schätze, war es ein anderer Satz, der mich zum Nachdenken brachte.

Er war klein und unscheinbar und wurde von anderen Sätzen eingerahmt. Er hieß. „Wie kann ich helfen?“

Mir war erst gar nicht klar, weshalb ich so sehr an diesem Satz hängen blieb. Es war wohl der gesamte Kontext, in dem er stand. Ich fühlte mich von mir selbst überrannt. Voller Emotionen, die ich nicht einordnen konnte. Und in einem solchen Moment kamen die Worte „Wie kann ich helfen?“ von jemandem, der gerade selbst genug mit sich selbst zu tun hat. Dass mir dieser Mensch trotz seiner eigenen frustrierenden Situation helfen wollte, war ein wunderbares Geschenk. Weil es echt war. Weil es keine Floskel war. Weil ich mich ernst genommen fühlte. Und weil dadurch unerwartet das Gefühl der Geborgenheit und Zuversicht entstand. Nur diese vier Worte waren Hilfe genug. Keine Taten.

Wir sagen so häufig, wen wir lieben oder was wir lieben. Inflationell gebrauchen wir dieses Wort für alles und jeden. Aber wenn dir jemand tatsächlich seine Hilfe anbietet. Sich wirklich um dich sorgt. Dann fühlen wir uns gehalten und nicht allein in unserer Situation. 

Ich war in diesen unschönen Tagen nicht allein und das tat unglaublich gut. Und als ich mich langsam beruhigte und verstand, was mit mir passiert war, fasste ich den Entschluss der weggestoßenen Person zu erklären, was geschah. Das war nicht sehr angenehm, denn ich musste viel von mir preisgeben. Die unschönen Seiten meines Wesens. Die, die man am liebsten vor der ganzen Welt verstecken würde. Aber es hat sich gelohnt. 🙂

Wir wünschen uns häufig, dass eine vertraute Person mit unserer Seele so umgeht, als wäre es ihre eigene. Dabei sind wir doch zu uns selbst nicht unbedingt gütig. Wir sind streng mit uns. Fordern uns häufig selbst heraus, wollen uns perfektionieren und die angeblichen Charakterschwächen unterbinden. Wenn wir uns aber selbst nicht vollkommen akzeptieren – wie können wir da erwarten, dass jemand anderes es für uns tut?

Ich hab durch meine Panikreaktion sehr viel über mich gelernt und bin dankbar dafür und hoffe sehr, dass mich solche Gefühle nicht noch einmal zu Kurzschlussreaktionen treiben. Und wenn doch, dann ist das eben so. Denn das gehört nunmal auch zu mir.

Vertrauen macht verwundbar. Aber ich bin lieber verwundbar, als nicht in den Genuss zu kommen, mich gesehen und gehalten zu fühlen.

Nun hoffe ich auf ein paar leichtere, unbeschwertere   Frühlingstage für mich. In denen ich mich darüber freue, wenn mein 12jähriger Bollerkopp wie ein Wahnsinnger seine Runden über die Felder dreht. Und eine Minah auf dem Hundesportplatz erstmalig mit einem anderen Menschen außer mir oder Herrchen spielt. 🙂