Den Moment nur zu genießen ist gar nicht so leicht, wie ich dachte. Denn das Denken lässt sich nicht so leicht ausknipsen. Und so hat es sich die letzten Wochen zugetragen, dass ich zwar das Glück nicht mehr krampfhaft festhalten will, aber mich sehr losgelöst von allem fühlte.

14601047_1215848368490555_3070303149068657886_nFliegen ist schön. Doch irgendwann vermisst man den Boden unter den Füßen. Man lebt nur für das, was beflügelt, während alles andere unwichtig bis lästig wird. Das kann andere verstören, im schlimmsten Fall verletzen. Im besten Fall belustigen. 😉

Man hangelt sich von Euphoriestoß zu Euphoriestoß und die Zeit dazwischen verschwindet im langweiligen Nebel des Alltags und findet kaum noch Beachtung. Das ist schön. Das ist exzessiv. Es lässt lebendig fühlen. Fast alles ist egal – nur die Beflügelung zählt. Aber es macht abhängig. Wenn die Tage zwischen der Euphorie größer werden, nagt da dieses unangenehme Gefühl an einem. Eine merkwürdige Art von Langeweile. Obwohl man beschäftigt ist. Sich Arbeit sucht. Aber alles langweilt nur. 

Das macht auf Dauer ausgeschlossen aus dem normalen Leben, dass die Menschen um einen herum führen. Man ist in seiner eigenen fragilen, glücklich machenden Welt. Eingehüllt in Freude, Fassungslosigkeit, Unmengen an Nacht- und Tagträumen, die einen daran hindern zu schlafen oder an der richtigen Bushaltestelle auszusteigen. 14606359_1217634094978649_8469579150026393029_nEin einzelnes Lied, das man schon etliche Male ungerührt hörte, bringt einen plötzlich zum Weinen. Ein einzelner ausgesprochener Satz lässt einen jegliche Probleme vergessen und begleitet einen den ganzen Tag. Alles, was sonst Freude bereitet hat, macht man mit halbem Herzen, weil man in Gedanken ganz woanders ist. Und es fällt so unglaublich schwer mit seinen Liebsten über etwas anderes zu sprechen, als darüber. Man weiß einfach nicht wozu.

Man verliert die Kontrolle über die Gefühle und über seine Fokussierung. Man fliegt. Und unter einem ist sein eigentliches Leben. Irgendwie zum Greifen nah und doch so weit weg. 

Man spürt den Impuls, alles abzustoßen, was es noch im Leben gibt – nur um voll und ganz in seinem Glück aufzugehen. (alles außer die Fellnasen natürlich 😉 )

14937232_1216361415105917_8224544632666449325_nDoch was ist nach dem Glück? Mit was steht man da, wenn man alles andere verdrängt und nur für die Euphorie lebt? Dieser Moment macht mir ein wenig Angst. Auf den Tag genau hält dieser Zustand nun seit zwei Monaten an. Ich möchte ihn nicht missen. Sehe ihn als vollkommen unverhofftes Geschenk an und werde noch jahrelang davon zehren.

Aber es wird Zeit sich zu erden. Wieder andere Freuden zuzulassen. Und vielleicht auch so manchen Schmerz. Weil es wichtig ist. Und weil ich nach dem Glück nicht zu tief fallen will. Auch wenn zwei wunderbare Freundinnen versuchen werden mich aufzufangen. 🙂

Als hätte das Universum diese Gedanken erahnt, hat es mir gleich letzte und diese Woche einige Erdungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.  Zuerst konnte ich mein Auto nicht mehr fahren – seit gestern läuft es wieder. Dann gab es ein unangenehmes Problem bei der Arbeit – allmählich löst sich das aber.

14947483_1222411654500893_5535184295512056907_nRoan und Minah fingen sich einen ordentlichen Magen-Darm-Virus ein, wobei Minah fast die gesamte Wohnung mit kreativen Brauntönen verschönerte. Der armen Maus geht es seit zwei Tagen aber deutlich besser. Aber das Heftigste geschah dann gestern, als einer meiner Lieblingsmenschen seine wunderbare Hündin einschläfern lassen musste. Mir tut das so unendlich leid und die Zeit, die jetzt folgt, wird für das Frauchen eine sehr böse Zeit werden. Maxi war eine tolle Hündin und sie war für ihren Menschen das wichtigste Lebwesen auf der Welt. Ich hoffe, dass Frauchen weiß, dass ich zu jeder Zeit bereit bin, an ihrer Seite zu sein. So sollte kein Jahr zu Ende gehen.

Ich hoffe, dass Universum hat nun genug zur Erdung beigetragen – ich fliege nur noch halb so hoch. Die Aussicht von hier oben ist aber immernoch grandios. 🙂