Mittlerweile finde ich ja, dass man seine Hunde am besten auf Reisen kennenlernt. Man ist ununterbrochen zusammen und erlebt sich gegenseitig in völlig neuen Situationen, während der allgemeine Entspannungsgrad das Seinige für eine gute Beziehung tut. Am Samstag fuhren Roan, Minah und ich zu meinen Eltern nach Vorpommern. Ich freute mich sehr und war gespannt, wie Minah die Situation dort meistern würde. Auf einer Wiese, vor dem Grundstück meiner Eltern hielt ich an, damit sich Barneby und meine Mäuse außerhalb seines Territoriums treffen können. Alle waren super aufgeregt und vor allem Roan war voller Vorfreude und wollte ganz schnell auf den Hof. Minah ging erst einmal sehr vorsichtig mit dem kleinen Barny um, der ja schon recht schüchtern und unbeholfen ist, was hündische Sozialkontakte angeht.

8bAuf dem Grundstück rannte Roan gewohnt selbstbewusst umher um alles zu markieren und Barny rannte hinterher – ebenfalls um alles nachzumarkieren. 😀 Minah guckte sich das Ganze in Ruhe an und folgte den beiden dann. Als sie die Lage für sicher befand rannte sie lauter Runden und freute sich wie immer wahnsinnig, wenn sie leinenlos umherflitzen kann. Wir verbrachten den Tag erst einmal nur auf dem Grundstück – da gibt es so viel zu entdecken für die Hunde. Roan sprang irgendwann total übermütig auf einen sehr großen liegenden Baumstamm, kletterte hoch und sprang dann ab. Ich hab aus einiger Entfernung das Ganze wie in Zeitlupe gesehen, wollte gerade was brüllen und dann sprang er schon. Ich weiß nicht, was ihn da geritten hat – bollerige Selbstüberschätzung. Jedenfalls landete er sehr unsanft auf seinem ganzen Oberkörper. Ich rannte hin und er hielt mir sein linkes Bein entgegen. Ich drückte laienhaft überall rum und ging dann ein paar Meter mit ihm. Er lahmte noch ab und an, schonte sich aber zu meinem Leidwesen anschließend überhaupt nicht – also bekam er – und somit auch Minah und ich – Stubenarrest für den ganzen nächsten Tag. So war das alles natürlich nicht geplant, aber das Leben ist eben unberechenbar. Zum Glück hatte ich mir viel zu lesen mitgenommen und hab einige Gespräche mit meinen Eltern geführt. 6bAußerdem gab es endlich mal wieder Eier von glücklichen Hühnern für mich (ich esse ja in Berlin vegan) und so sah die Welt eh gar nicht mehr so schlecht aus. Am Montag versuchte ich dann mit allen drei Hunden einen Spaziergang auf den Feldern und Roan humpelte nicht. Meistens lasse ich die Hunde dort ab einer bestimmten Stelle ohne Leine laufen, aber da ja momentan viele Wildtiere außer Rand und Band sind aufgrund ihrer Frühlingsgefühle, machte ich allen dreien Schleppleinen ran. Was für eine knotige Angelegenheit. Und tatsächlich… nach einiger Zeit scheuchten wir ein Wildkaninchen auf und ich war sehr froh über die Leinen. Wir gingen dann den gleichen Weg, den das Kaninchen nahm. Roan verfolgte die Spur mit gewohnten Grunzlauten und war kaum noch ansprechbar. Barny – unverkennbar ein Dackel-Mix – machte es ihm gleich und zog ebenfalls kräftig Richtung Kaninchen. Minah fand das alles sehr witzig, war aber sofort bei mir, wenn ich sie ansprach. Ein extremer Nasenhund ist sie also nicht.

1bGegen Ende dieses Spaziergangs kam es erstmalig vor, dass Minah nicht umgehend auf mich hörte. Bisher hatte sie meine Anweisungen ja nur ein klein wenig innerhalb der Wohnung in Frage gestellt. Nun also auch draußen. Sie spielte mit Barny – der ja um einiges kleiner ist als sie und irgendann hatte er genug. Nur das Fräulein Aufgekratzt war so glücklich, dass jemand mit ihr um die Wette rannte, dass sie das nicht einsah. Also versuchte sie ihn immer wieder zu stoppen und zu animieren und der kleine unbeholfene Barny wusste sich nicht anders zu helfen, als sie zu beschwichtigen. Als ich ihr untersagte, ihn weiter zu nerven, guckte sie mich nur kackfrech an – man könnte meinen, sie grinste – und machte dann weiter. Ha! Innerlich freu ich mich ja immer, wenn sie richtig Hund ist und eben auch mal ihre Grenzen austestet. Das zeigt mir, dass sie immer sicherer wird im Umgang mit mir und keine Angst hat. Also wurde meine Ansage dann doch mal etwas lauter und körpersprachlich bedrohlicher und sofort war das Thema auch beendet. Eigentlich war das nur eine kleine harmlose Diskussion zwischen Hund und Mensch, aber da Minah so selten etwas von mir Gewolltes in Frage stellt, ist es sehr bedeutsam für mich. Es ist ja nicht so wie bei Roan, der prinzipiell ALLES in Frage stellt. 😉

21bSpätestens nach diesem Spaziergang liebte Barnaby uns alle drei und wich uns nicht mehr von der Seite. Er schleppte ein Spielzeug nach dem anderen in mein Zimmer und kuschelte sich dann an mich ran. Umso trauriger war er dann am Dienstag, als ich mit Minah und Roan alleine an meinen Lieblingsstrand fuhr. Im Sommer ist dort schon verhältnismäßig wenig los – jetzt im Frühjahr begegneten wir in drei Stunden nur drei Leuten und einem herrenlosen Hund. Minah zeigte sich wenig beeindruckt vom ganzen Wasser, fand es aber genauso toll wie Roan im Sand umherzuflitzen und sich in den Algen zu suhlen. Roan wollte ab und an in den Dünen verschwinden, aber kam sofort wieder, wenn ich ihn rief. Minah blieb die ganze Zeit unaufgefordert an meiner Seite. Sie freute sich wie irre, wenn sie irgendein Strandgut fand und ihre Runden damit drehte, bis sie es schließlich Roan vor die Vorderpfoten spuckte, der wenig beeindruckt schien. 😀 An meinem Lieblingsplatz holte ich meine Kamera raus und knipste meine beiden Hübschen. Roan ist ja schon ein Vollprofi und weiß genau, was ich erwarte. Er fand es nur doof, dass er immer nicht alleine runter springen durfte, sondern wegen seiner Pfote vorsichtshalber von mir runter getragen wurde. Minah gewöhnt sich auch allmählich an diese lästige Knipserei – mag aber nicht allzu gerne in die Kamera rein schauen. Als ich langsam wieder weiter ging und im Laufen meine Kamera ausschaltete, stellte sich auf einmal Roan vor mir auf und hielt etwas Schwarzes im Maul. Er hatte doch tatsächlich meinen Objektivdeckel im Sand gefunden und mir gebracht, den ich noch nicht einmal vermisst hatte. Mein Held. 🙂

20bAm Strand sammelte ich ein paar hübsche Steine, fand einen Donnerkeil, aber – wie seit 33 Jahren – keinen Bernstein. Ich sog die leckere salzige Meeresluft ein und wäre auch gerne wieder am Strand zurück gelaufen, aber Roan wollte lieber durch die Dünen in den Wald – also tat ich ihm den Gefallen und wir liefen durch den Wald zurück zum Auto. Als wir wieder an meinem Elternhaus ankamen, freute sich Barny wie verrückt. Er lag wohl die ganze Zeit auf meinem Bett und meine Mutter ging dann aus Mitleid eine kleine Gassirunde mit ihm. Er ist aber auch echt total niedlich und ich freu mich sehr, dass sich alle drei Hunde so prima verstehen. Wenn ich meiner Mutter auf dem Hof half und Laub zusammen fegte, erwischte ich mich immer wieder dabei, wie ich meine Arbeit unterbrach und mit Herzchen in den Augen dem Treiben der drei Süßen folgte.

Später am Nachmittag nahm ich Minah mit auf den Hühnerhof, um mal zu testen, wie sie auf das Federvieh reagiert, da sie ja vor einigen Wochen sehr deutlich bei einer Amsel vorstand. Aber sie interessierte sich mehr für das Korn der Hühner als für selbige. 😀

Auf einem Video hab ich mal versucht das festzuhalten (als sich alle Tiere so erschrecken, hatte ein Nachbar mit Holzlatten geknallt) :

Heute Morgen haben wir dann wieder das idyllische Landleben verlassen. Ich bekam einige leckere Eier und selbtsgemachten Apfelsaft mit. Minah ist nun doch müder, als sie gerne zugeben würde und erholt sich von ihrem Aktivurlaub. 10bRoan humpelt nicht mehr, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob er etwas unrund läuft oder nicht. Manchmal ist man als Hundemama ja übervorsorglich und sieht Dinge, die gar nicht da sind, vor allem wenn der kleine Mann schon auf die 12 zugeht. Ich werd die Tage mal Leute mit einem objektiveren Blick draufschauen lassen.

Ich wünsche allen Lesern und ihren Vierbeinern schöne Feiertage!