Es mag am grauen November liegen, der nicht viel Platz für Sonnenschein im Herzen lässt, vielleicht liegt es aber auch daran, dass Minah anfängt, mich zu verändern – mich sensitiver macht für das Glück, welches ich im Leben erfahren durfte und somit auch für das Unglück, das andere erfahren müssen oder mussten – so wie sie. Täglich sehe ich den Vergleich zwischen Roan und Minah. Der Bollerkopp – aus einer angesehehen VDH-Zucht – der bereits mit 9 Wochen so unbeirrbar und mutig durchs Leben zog, wie er es auch heute mit seinen 11 Jahren tut. Fast nichts ängstigt diesen Hund (außer Federn 😉 ) und viel Gutes, das ihm wiederfährt, ist eine Selbstverständlichkeit in seinem Leben, das von Geburt an sicher und wohlbehütet war. 12241430_936041473137914_7775765684465695208_nEr musste nie hungern, musste nie fliehen, wurde jeden einzelnen Tag seines Lebens gestreichelt. Das Ergebnis dessen ist ein wunderbarer, selbstsicherer Beaglemann, der das Leben liebt und hohe Ansprüche an sich und seine Umwelt stellt (wehe dem, ich vergesse es, ihn morgens wachzuknuddeln). Er geht auf neue Situationen und Menschen freudig zu, ohne befürchten zu müssen, ihm würde Leid angetan werden. Er kann das Leben und sich selbst genießen, denn was er tut, das tut er aus eigenem Antrieb – und nicht, weil eine Angst ihn dazu treibt oder seinen eigenen Handlungswünschen im Weg steht.

12246754_936962783045783_1698891918372147797_nMinah lebt nun knapp über einen Monat bei uns. Wöchentlich erlebt sie Premieren in ihrem Leben und nimmt neuartige Erlebnisse etwas entspannter auf. Gestern spielten wir beide erstmalig mit einem Spielzeug zusammen und sie freute sich unglaublich darüber. Vorletzten Donnerstag durfte Uli sie erstmalig streicheln und als wir bei unserer Tierärztin Eva waren, suchte sie sogar Schutz bei ihm. Seither kommt sie manchmal auf ihn zu, aber bisher nur, wenn ich in Reichweite sitze. Bei Eva waren wir primär wegen ihrer Tollwut-Impfung und weil ich besorgt wegen ihrer Zähne war und ihrem manchmal vorkommenden Durchfall. Außerdem hat sie ein merkwürdig rotes Zahnfleisch. Die Untersuchung und die Impfung hat die kleine Sternenfee wunderbar überstanden ohne auch nur einen Laut von sich zu geben. Für die Zähne haben wir einen Pilz mitbekommen. Ich bin gespannt, ob der was bringt. Durchfall hat sie nicht mehr, seitdem ich sie anders fütter. Ihr stark durchblutetes Zahnfleisch gibt ein bisschen Rätsel auf – das behalten wir erstmal im Auge. Ansonsten ist sie fit und zeigt auch immer öfter, dass sie noch keine zwei Jahre alt ist. Dann gehts mit ihr durch und sie pest wie eine Verrückte um uns herum, während wir Mühe haben, uns nicht in der Schleppleine zu verheddern. Ich weiß nicht, wie lange ich sie noch dran behalte – das kann noch ein Weilchen sein. Sie nervt mich aber tierisch – gerade bei dem momentanen Wetter. Alles an mir ist dann von dieser Leine dreckig. Meine geliebte Kamera kann ich dann auch nicht benutzen, was mir sehr fehlt. Minah kommt zwar sehr zuverlässig auf Rückruf und wenn sie sich erschreckt, rennt sie nicht weit weg oder sucht bei mir Schutz. Es wäre mir aber zu riskant sie schon jetzt ohne Leine laufen zu lassen.

IMG_20151124_151153Nun, wo sie mir sehr vertraut und in geschützten Situationen ihr wahres Ich zeigt, gehts an die Erziehung. Der momentan wichtigste Punkt ist die Impulskontrolle. Sie liebt es, mit dem Auto zu fahren – möchte aber ungern warten, bis sie ein- und aussteigen darf. Futter möchte sie auch gerne sofort verschlingen und findet es komisch, dass Frauchen erwartet, dass sie auf ein „Okay“ warten soll. Dass man Frauchen und Roan nicht immer und überall anspringt, sobald man draußen in Spiellaune ist, muss auch noch gelernt werden. Und dass man nicht hinter Vögeln hinterher springt – das wird noch ein laaaaaaanges Thema werden. Aber wir sind auf einem guten Weg und das Zusammenleben mit ihr gestaltet sich ehrlich gesagt einfacher, als ich erwartet hatte. Letzte Woche ist mir sogar ein erstes „Ich hab dich lieb“ entfleucht. 😉

Roan und Minah sind sehr süß zusammen. Fast jeden Morgen begrüßen sie sich mit einem Schwanzwedeln und einem Nasenstubser. Es gibt keinen Stress, keine Hektik, keine Aufregung zwischen den beiden. Ich kann zu dritt mit ihnen ganz eng kuscheln, ohne, dass einer den anderen wegschieben will. Auf den Feldern, wenn sie spielen, macht Roan manchmal mit bei ihren recht lauten Spielgebaren, aber er kann sie auch sofort stoppen, wenn es ihm zu wild ist. Immer wieder legt sich die Sternenfee zu ihm und kuschelt mit ihm, was er meistens toleriert und manchmal sogar genießt.

Silvester fahren wir drei nun übrigens doch nicht in die Altmark, sondern in „meine“ Uckermark. Der Gedanke, diese Woche nicht mit Uli verbringen zu können war so traurig, dass mich nur das Wissen, zumindest in der Uckermark sein zu können, trösten konnte. Also suchte ich doch nochmal nach einer Ferienwohnung und wurde in Gollmitz fündig. Nun freu ich mich auch ein bisschen drauf.

11223667_190430531292631_8411024685640498254_oÜbrigens bringt Minah uns Glück! Uli hat für uns zwei Freikarten für eine Veranstaltung von Serdar Somuncu gewonnen, bei der wir Samstag Abend waren. Es war echt toll! Ein paar Tage später gewann ich dann bei MaRu ein Halsband-Leinen-Set für Minah. Wir sollten mal wieder Lotto spielen. 😉

Ich wurde in den letzten Wochen manchmal gefragt, ob ich oft an Renfield denken würde oder ob ich Angst hätte, dass uns das gleiche Schicksal wieder ereilt. Ja, ich denke mehrfach in der Woche an Renfield. Entweder, weil mir Silke von ihm schreibt oder weil ich von ihm geträumt habe oder weil Uli Minah mit Renfield vergleicht. Manchmal stimmen mich diese Gedanken traurig, aber ich versuche mich dann an unsere schönen Erlebnisse zu erinnern und wie viel größer sie ihn und mich machten. Außerdem geht es ihm sehr gut bei Silke – er hat sie für sich allein und darf seinem geliebten Dummy-Sport nachgehen. Habe ich Angst, dass sich die Geschichte mit Minah wiederholt? Eigentlich nicht. Mein Kopf sagt mir, dass das nicht sein kann – ich habe bisher nur viermal von einem solchen Verhalten gehört und drei der Hunde kamen aus der gleichen Zucht. Mein Herz allerdings hat diese schrecklichen Momente nicht vergessen und ab und an meint es, mich noch daran erinnern zu müssen. Aber diese Momente werden weniger und die Zuversicht, dass es so bleibt, wie es ist, wächst von Woche zu Woche. 🙂

IMG_20151124_115803So hoffe ich, dass die nächsten Tage etwas mehr Sonne in meinem Herzen scheint. In der Schule musste ich fast täglich Fragen zum Attentat in Paris beantworten. „Frau Conrads – wird es das auch in Berlin geben? Ich kann nachts nicht mehr gut einschlafen – was soll ich tun? Kann ich dieses Jahr auf Weihnachtsmärkte gehen?“ Man versucht den Schülerinnen und Schülern eine Sicherheit vorzuleben, die man selbst nicht besitzt und gerät bei der Beantwortung nach dem Warum an seine eigenen Grenzen. Diese traurigen Gedanken nehme ich im Moment mehr mit nach Hause als sonst.

In der „Hundeszene“ und an meiner Schule rief ich dazu auf, eine bestimmte Wohngemeinschaft für Flüchtlinge mit definierten Sachspenden zu unterstützen. Die Resonanz war nicht allzu stark. Normalerweise würde mich das nicht sehr mitnehmen und ich wäre eher froh über die wenigen Spender gewesen – aber irgendwie erlebe ich momentan die traurigen Seiten intensiver. Nun ist auch am Wochenende die wunderbare, unvergleichliche Maya von der lieben Kathrin aus der Uckermark völlig überraschend verstorben und auch hier macht es mich trauriger, als es normal wäre. Ich hoffe, dass Kathrin bald wieder so ein sonniges Gemüt hat, wie ich es kennenlernen durfte.

Für die nächsten Tage wünsche ich mir, dass ich wieder wie gewohnt, die schönen Seiten des Lebens genießen kann und die traurigen zwar auch weiterhin wahrnehme, mich aber nicht von ihnen überrollen lasse.

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