Vor zwei Wochen kam Minah zu uns. Mir kommt es vor, wie zwei Monate und wenn ich ihre Entwicklung überdenke, muss es auch ihr wie zwei Monate vorkommen. Keine Frage – es ist ganz schön anstrengend, sie an ihr neues Leben heranzuführen, aber sie ist so unheimlich bemüht alles richtig zu machen und sie lernt so schnell, dass es einem schwindlig werden kann. Mittlerweile fährt sie total auf den Target-Stick ab, so dass ich am Dienstag sogar schon auf dem Hundeplatz kurz mit ihr arbeiten konnte. Eigentlich hatte ich gar nicht damit gerechnet, dass sie sich überhaupt auf mich einlässt, aber da der Stick noch in meiner Tasche war, wollte ich es nach dem RO-Training einfach mal testen und sie sprang sofort darauf an, obwohl sie die Situation auf dem Platz weiterhin sehr beeindruckt. Die Übertragung auf meine Hand als Target hat sie innerhalb von Sekunden verstanden. Und weils auf einmal mit „Sitz“ und „Hand“ allein so langweilig war, hab ich gestern noch das „Platz“ eingeführt, was sie auch wieder sehr schnell verstanden hat. Ich glaube, wir werden noch viel Spaß im Training haben können. 🙂

12109229_932149310193797_8548402689764260074_n Diese Woche hat sie auch erstmalig gebellt, als Herrchen nach Hause kam. Was hab ich mich erschrocken über diesen mädchenhaften Ton. 😉 Manchmal fordert sie mich zum Spielen auf, weiß aber nicht so ganz wie sie mit mir spielen soll. Sie greift dann mit ihrem Fang sanft nach meiner Hand. Leider konnte ich sie bisher noch nicht animieren mit einem Objekt zu spielen. Somit spielen wir nur, indem wir beide hin- und herrennen und miteinander rangeln. Draußen sind wir sehr mutig geworden. Ab und an läuft sie auch schon über die Länge der Schleppleine hinaus weg, wobei sie bisher unheimlich gut abrufbar ist. Da nun endlich ihr Sicherheitsgeschirr geliefert wurde, gehen wir jetzt auch überall hin. Von Roan hat sie sich abgeguckt, dass es im Wald verboten ist, Wege zu verlassen. Für mich ist jeder Ausflug doppelt anstrengend, da ich die Gegend nicht nur nach potenzieller Jagdbeute für den Bollerkopp sondiere, sondern nach allem Möglichen, was gruselig auf Minah wirken könnte. Was ihren Jagdinstinkt angeht, ist sehr früh klar gewesen, dass sie ein Nasenhund, wie Roan ist. Dabei ist sie – zumindest im Moment – mit weniger Druck vom Fährten-Verfolgen abzubringen. An einem Morgen pirschte sie sich ganz langsam in geduckter Haltung an einen Vogel ran, blieb aber ansprechbar. Als eine Katze vor uns davon lief, blieb sie stehen und schaute diese nur an und kam sofort zu mir, als ich sie ansprach. Ich bin gespannt, was da noch kommt, wenn sie weiterhin an Sicherheit gewinnt. Wenn es so bliebe, wäre es ja zu schön, um wahr zu sein. 😉

12122608_930803346995060_3867932337643104836_nMit Roan versteht sie sich prächtig. Wenn wir Ausflüge ins Grüne machen, fordert sie ihn mehrfach zum Rennen auf und er lässt sich circa zweimal drauf ein. Einmal wurde sie ihm zu grob (er hasst es, wenn Hunde an seinen Nacken gehen). Er blieb stehen, schrie sie an und sie beschwichtigte sofort. Ansonsten gibt es bisher keinerlei Diskussionen zwischen den beiden. Auch da muss natürlich abgewartet werden, was passiert, wenn sie an Selbstbewusstsein gewinnt. Am meisten genieße ich unsere Kuscheleinheiten zu dritt. Ich lege mich dann auf den Boden, wir drei stecken die Köpfe zusammen und ich wrubbel beide durch. Dabei kann es schonmal vorkommen, dass der eine halb auf dem anderen liegt. Normalerweise findet Roan solche Situationen mit anderen Hunden nicht so prickelnd – aber bei Minah lässt er es (bislang) zu. Mit fremden Hunden kommt sie sehr gut klar – verhält sich entweder freudig interessiert oder beschwichtigend. Fremde Menschen sind okay, insofern sie sie ignorieren. Fahrradfahrer und Jogger werden zwar mit angelegten Ohren angesehen, aber sie möchte nicht mehr wegrennen, wie ganz am Anfang. Auch das Alleine-Bleiben klappt prima. Wir haben auch unsere erste Pflege-Einheit hinter uns gebracht. Bürsten war okay, Ohren reinigen auch. Zähne putzen war seeeehr schwer und als wir dabei waren, entdeckte ich ihren nicht unerheblichen Zahnbelag an den Backenzähnen. Eine Kralle durfte ich auch noch kürzen. Irgendwo in der hintersten Ecke meines Schranks fand ich noch eine Krallenzange. Mit dem Dremel brauch ich ihr erst gar nicht ankommen – der macht ja so komische Geräusche.

Da ihre Geräusch-Empfindlichkeit sehr stark ausgeprägt ist, werde ich mit ihr und Roan tatsächlich über Silvester wegfahren. Und da die Bekloppten ja nicht bis zum 31.12. warten können, fahren wir schon am 27ten und bleiben eine Woche weg. Wir sind dann auf einem Reiterhof in der Altmark. Uli kann leider nicht mitkommen. Ich hoffe, ich fühle mich dort nicht allzu alleine. Eine Woche Isolation in der Uckermark finde ich ja toll. Aber ob ich mich auch in der Altmark so wohlfühlen werde… Was tut man nicht alles für die Viecher.