Seit gestern Nachmittag sind wir um ein Familienmitglied reicher. Die liebe Christin Marx vom Verein „Step by Paw“ brachte sie zu uns. Normalerweise dauert der Vermittlungsvorgang immer etwas länger, als in unserem Fall – aber da es für die Maus sehr günstig ist, dass ich noch eine Woche Urlaub habe, konnte sie schon gestern einziehen, was ich toll finde.

11828589_584634255011401_2643633503792642867_nSchon seit Längerem haben wir immer mal wieder nach einem Zweithund Ausschau gehalten, aber so recht hat es nie gepasst und eilig hatten wir es auch nicht. Durch das Rally Obedience-Training lernte ich Kristin Piper kennen (die übrigens heute mit Feline die BH bestanden hat – olé olé!) und sie zeigte mir via Facebook Bilder von Minah, die da noch Gina genannt wurde. Es hat heftigst gefunkt und da die Maus auf einer Pflegestelle in Berlin saß, guckten Uli, Roan und ich sie uns mal ganz unverbindlich vor meinem Uckermark-Urlaub an. 11076237_527984707343023_707829836952295128_nAlso drehten wir eine kleine Runde mit „Gina“ und ihrem Pflegefrauchen und -herrchen und es funkte noch mehr und mehr und mehr… Als sie sich dann zu Roan setzte nach dem Motto „So – ich gehör jetzt dazu“, war es endgültig um mich geschehen. Sie zeigte sich zwar total ängstlich und wollte sich nicht gern von uns anfassen lassen, aber sie war auch sehr neugierig, was mir Hoffnung machte.

Obwohl ich schon total verknallt war und auch Uli sie unheimlich bezaubernd fand, erbat ich uns noch eine Woche Bedenkzeit. Ich wollte nichts überstürzen, immerhin hab ich zwar mit aggressiven Hunden Erfahrung, aber nicht mit ängstlichen.  Im Urlaub dann hab ich immer wieder mit Uli oder Freunden telefoniert und über sie gesprochen und konnte letztlich doch die gewünschte eine Woche Bedenkzeit nicht ganz einhalten. 😉

11792185_584633025011524_743281712148996962_oGestern kam ich dann extra früher aus dem Urlaub zurück, damit sie schon so frühzeitig bei uns einziehen konnte. Spannend war noch, wie sie auf die Katzen reagieren würde. Als sie dann im Wohnzimmer saß, kam Kater Hasso nach einigen Minuten auf sie zu und butzte sie mit seinem Kopf an. Sie guckte ein bisschen verwirrt, aber zeigte keine Angst, Aggression oder ein Jagdverhalten. Da freuten wir uns natürlich sehr. Nach den ganzen Formalien, verließ uns Christin wieder und wir hatten auf einmal einen Hund mehr. So langsam ist das auch in meinem Kopf und Herzen angekommen – sie gehört jetzt zu uns. Beim zweiten Spaziergang gestern suchten wir uns auch endlich einen Namen aus und nannten sie Minah. Irgendwie passt der Name zu ihr und sie muss sich auch nicht von der Lautgebung großartig umgewöhnen. 🙂

Minah stammt ursprünglich aus Ostungarn und ist seit Anfang Oktober in Deutschland. Geboren wurde sie im April 2014 -im Impfpass steht der 09.04. 12052385_608569752617851_3156465949744895811_oSie wuchs mit ihren fünf Geschwistern bei einem Bauern in einem Schweinestall auf. Sie bekamen nur etwas zu trinken, wenn es regnete und auch Nahrung erhielten sie nur sehr unregelmäßig. Sie ist auch jetzt noch sehr dünn. Gereinigt wurde der Schweinestall nie, so, dass sie in ihrem eigenen Kot liegen mussten. Irgendwann durfte die Tierheimleiterin Magdalena sie dann mit ins Tierheim nehmen. Eine ihrer Geschwister ist ebenfalls in Deutschland. Die anderen suchen noch nach einem neuen Heim, soweit ich weiß.

Die erste Nacht bei uns hat sie gut gemeistert. Ich ließ ein kleines Licht an, damit sie sich sofort umschauen kann, wenn sie im Schlaf vergessen hat, wo sie eigentlich ist. Die Hundematte neben unserem Bett hat sie sofort angenommen. Stubenrein ist sie zu meiner großen Freude auch. Sie kann wohl auch allein bleiben, was wir morgen kurz testen werden. Ausgiebig knuddeln konnte ich sie auch schon – das war total schön. Ich setzte mich zu ihr auf den Boden und Roan und Hasso kamen gleich an und wir kuschelten zu viert. Sie war ganz entspannt und schloss irgendwann ihre Augen dabei. Vorhin legte sie sich auch erstmalig auf den Rücken, damit ich ihren Bauch streichle. Ihr Fell ist unglaublich weich. Ich finde sie auch wunderschön – ihr weißes Fell mit den sandfarbenen Sprenkeln und ihre schwarz umrandeten Augen… Uli ist bestimmt schon genervt von meiner Schwärmerei. 😉

12045631_608572385950921_3080420387546416947_oVor ihm hat sie leider mehr Angst als vor mir, aber immerhin durfte er sie vorhin auch endlich mal streicheln. Das braucht eben alles seine Zeit. Das Spazierengehen haben wir jetzt dreimal hinter uns. Wie erwartet ist sie da sehr schreckhaft – knallende Autotüren, an ihr vorbei rennende Menschen, frontal auf sie zukommende Menschen, laute Motorräder… all das jagt ihr Angst ein. Aber sie schreit nicht drauf los, sie versucht nicht, sich in den Boden festzukrallen und sie zeigt keinerlei Angstaggressionen. Der dritte Spaziergang war schon ein klein wenig entspannter als die beiden davor und so bin ich großer Hoffnung, dass sie irgendwann fröhlich mit uns umherstreifen kann. Das Verlassen und Betreten des Hauses macht ihr auch große Angst – da muss ich sie noch durchziehen. Und auch, wenn sie sich von mir knuddeln lässt und es auch schon eingefordert hat, hat sie zwischendurch auch immer wieder noch Angst vor mir. Sie zeigt immer eine Mischung aus Furcht und Freude, wenn ich mich auf sie zubewege.

12106895_926577310750997_4913513160775203946_nAnsonsten lässt sich noch wenig über sie sagen. Ein Viszla soll in ihren Genen stecken und ich finde sie hat sehr viel vom Beagle. Sie ist kastriert und wenn sie draußen mal entspannt ist, ist sie begierig am Schnüffeln. Sie hat bisher weder mit uns, noch mit Roan gespielt und Essen steht definitiv in ihren Top-Ten der Highlights des Tages, was wir uns zunutze machen werden. Sie ist bisher noch nicht einmal auf irgendwas gesprungen, obwohl Roan ihr das ja vorlebt (Sofa, Stuhl, Bett). Mehr kann ich über ihren Charakter gar nicht sagen, denn über allem, was sie tut, liegt ein Nebel der Angst. 12038495_926577327417662_6631681065741848853_nGestern Abend hab ich noch ein Feltmann-Sicherheitsgeschirr bestellt und ich hoffe, dass es bald geliefert wird, damit ich selbst nicht ständig Angst habe, dass sie sich irgendwann vor Schrecken aus ihrem jetzigen Geschirr windet. Ausbildungstechnisch passiert natürlich im Moment noch gar nichts, außer, dass wir „Straße“ sagen, wenn wir an der Bordsteinkante stoppen und sie mit ihrem Namen und einem Leckerli locken. Sie soll jetzt erstmal unsere alltäglichen Abläufe kennenlernen und erfahren, dass sie uns vertrauen kann. Zu lernen, Teil einer Familie zu sein ist momentan schon eindrucksvoll genug für sie. Sie bekommt die Zeit, die sie braucht und sollte sich eines Tages herausstellen, dass sie eben kein Hund wie Roan ist, der sich gerne auf Hundesportturnieren präsentiert, dann ist das auch völlig in Ordnung. 🙂

Ich bin gespannt, wie sie sich entwickeln wird. Roan lebt ja ein gehöriges Maß an Gelassenheit vor und ich hoffe, dass wir alle zusammen in der Lage sein werden ihr zu zeigen, wie wundervoll das Leben ist.

(Fotos größtenteils von „Step by Paw“, bzw. Christin Marx)