Mit einer Mischung aus Glückseligkeit, Wehmut und dem seltenen Gefühl der Verbundenheit sitze ich auf der Terrasse des Ferienhauses in Kuhz, das ich zum wiederholten Male mit Roan besuche.
6bHeute ist Freitag und somit unser letzter Tag hier. Die Woche verging wie im Flug und gerne würde ich eine zweite ranhängen.
Als wir Samstagabend ankamen, fühlte ich mich binnen weniger Augenblicke wieder wie zu Hause. Ich liebe diese Gegend und ich liebe dieses Ferienhaus. Die Gewöhnung an die Stille und die Abgeschiedenheit vollzog sich dieses Mal noch schneller als sonst und auch das Knacken und das Knistern in der Nacht beunruhigten mich nicht. Kein Gedanke an die bösen Massenmörder, die einer Frau mit niedlichem Hund, isoliert an einem See, etwas Böses wollen. 😉
Für unsere Woche in der Uckermark hatte ich eigentlich nichts geplant, außer einem Ziel: Das Untere Odertal. Dort fuhren wir auch am Dienstag hin. Wir landeten in Stützkow – einem Dorf, das an Charme kaum zu übertreffen ist. Niedliche Häuser mit noch niedlicheren Gärten. 13bDirekt im Ort ist eine Art Aussichtsplattform. Roan rannte schonmal vor – Frauchen kroch keuchend hinterher. Man konnte direkt ins Odertal blicken und sah so schon von Weitem die vielen Vögel und den Deich, auf dem wir uns wenig später wiederfanden. Im Sommer ist hier sicher einiges los – der Deich ist das wahre Paradies für Fahrradfahrer – aber unseren Weg kreuzten nur sehr wenige Menschen. Wir liefen ungefähr eine Stunde lang auf dem Deich. Ich beobachtete die Vögel – viele hatte ich noch nie zuvor gesehen. So still und friedlich das Odertal auch von der Aussichtsplattform in Kuhz aussah – im Tal herrschte ein eindrucksvoller Krawall durch die Vögel. Teilweise blickte man auf brachliegende Wiesen, dann wieder auf überflutete Wiesen und viele Ecken mit aufgetürmten Findlingen. Es war sehr schön dort und für mich mal ein ganz anderer Teil der Uckermark. Hier möchte ich gerne nochmal herkommen, nachdem ich mich über eventuelle Rundwege in und um Stützkow erkundigt hab.
9bAuf dem Rückweg hielten wir noch kurz in Gerswalde an und besichtigten die dortige historische Wasserburg. Wir spazierten im Park und gingen einem kleinen verrückten Terrier aus dem Weg. Anschließend suchten wir wieder unser Ferienhaus auf um den Tag am Panoramafenster umhüllt von Kerzenschein ausklingen zu lassen.
Unsere entschlossen gewählte Einsamkeit wurde am Mittwoch durch einen Besuch unterbrochen. Die liebe Katrin kam mit ihren beiden Söhnen und fünf ihrer Hunde zu uns nach Kuhz. Wir gingen eine große Runde in Seenähe spazieren, was die beiden 12wöchigen Welpen super mitmachten und unterhielten uns über die schöne Uckermark, unsere tollen Hunde, Berlin, die Schule und machten natürlich ein paar Bilder. Das war eine willkommene Abwechslung.15b
Die anderen Tage ließen Roan und ich uns treiben. Entweder machten wir uns zu Fuß von Kuhz aus auf den Weg die Umgebung zu erkunden – wobei wir uns einmal böse verliefen, aber dank des Kuhzer Kirchtums wieder auf den richtigen Weg fanden – oder wir fuhren mit dem Auto da entlang, wo ich es gerade schön fand. Dann parkten wir irgendwo und liefen einfach los um die entlegensten Winkel der Dörfer zu entdecken. Der für mich schönste Ort in dieser Woche war „Rummelpforter Mühle“. Von Wichmannsdorf aus folgten wir einem Feldweg und entdeckten diesen Ort eher zufällig. Über eine alte Kopfsteinpflaster-Straße inmitten zweier Hänge gelangten wir in den Ort, der aus mehreren verlassenen Scheunen, der Wassermühle und wenigen Wohnhäusern besteht. Geht man durch das kleine Dorf hindurch, gelangt man in einen unheimlich schönen Wald, der Tiergarten genannt wird und primär aus Buchen und Eichen besteht. Im Wald trifft man dann wieder auf Seen und lässt sich vom Herbstlaub berieseln. Auch hierher möchte ich noch einmal kommen.
11bAber auch andere Orte waren sehr eindrucksvoll. So waren wir in der kleinen Heide bei Prenzlau, wo ich einen Waldfriedhof entdeckte, den ich sehr schön fand. Ich kann mir kaum eine bessere Art vorstellen beerdigt zu werden, als in einem so schönen, friedlichen Waldgebiet. In der kleinen Heide kann man verschiedene Wege gehen – im Wald oder am Feld – wir entschieden uns für beides. Bevor ich die Heide verließ, fand ich auch noch zufällig essbare Pilze, die dann mein Abendbrot im Ferienhaus ergänzten.
Bei unseren Streifzügen erreichten wir auch Groß Fredenwalde. 3bDort sahen wir uns im Skulpturengarten von Dietmar Lange um, der erst im September verstarb. Wir sahen uns die Kirche an und ich entdeckte hinter ihr Gräber der Familie von Arnim. Jeder, der sich mal etwas intensiver mit der Uckermark auseinandersetzt, wird auf diesen Familiennamen stoßen, daher war es für mich eine sehr freudige Überraschung diese Gräber zu finden. Hinter der Kirche trafen wir auf ein archäologisches Denkmal. Dort entstand spätestens im 8. Jahrhundert ein slawischer Burgwall. Von der einstigen Burg ist nichts mehr zu sehen, aber man kann sie auf dem Wall dank der Informationen noch gut erahnen. Direkt im Dorf sind auch einige alte Häuser zu finden, deren Mauern aus den vielen Steinen der Uckermark bestehen. 43bIch freue mich immer wieder, wenn ich solche Häuser entdecke, die von anderen erhalten werden und würde immer am liebsten klingeln und mir die alten Bauten auch von innen zeigen lassen.
Als ich Groß Fredenwalde verließ, stieß ich zum wiederholten Male auf Fasane, die auf einem Acker nach Futter suchten. Leider bin ich auch diesmal wieder zu langsam gewesen und die Fasane zu scheu, als dass ich brauchbare Fotos hätte machen können. Dafür hielten die Strauße in Berkenlatten dann für Fotos still. Roan fand sie seeeeeehr unheimlich. Hinter Berkenlatten entdeckte ich dann noch einen kleinen Friedhof und in seiner Mitte die Reste einer Feldsteinkirche, einer sogenannten Wehrkirche, die um 1230 erbaut wurde. 45bDieser Ort hatte eine so starke Anziehungskraft auf mich, dass ich eine kleine Ewigkeit mit Roan einfach nur in dieser Ruine saß und wir uns von den Marienkäfern einnehmen ließen. Nachdem Roan dann noch kurz auf dem „Riesenstein“ neben der Kirche posierte, der in der Feldmark gefunden wurde und in der Eiszeit aus Mittelschweden in die Uckermark gelangte, kauften wir an einem Stand in Klein Fredenwalde noch Obst, Kartoffeln und Marmelade für zu Hause.
Neben den genannten Orten, waren wir noch viel in Wäldern unterwegs oder suchten spontan entdeckte Seenzugänge auf. Beim Wandern stoppte ich immer wieder – zum M

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issfallen von Roan – um den Anblick der Natur zu genießen. Die Uckermark – mit ihren vielen geschwungenen Linien, ihrer Stille, ihrer manngifaltigen Tierwelt hat eine ganz besondere Ausstrahlung in diesen Gelb-, Rot- und Grüntönen des Herbstes. Nirgendwo erfahre ich so viel Frieden in mir wie hier. Und obwohl heute der einzige wirklich sonnige Tag ist, machte mir der graue Himmel in dieser Woche nichts aus. Vom Regen blieben wir verschont, denn er besuchte uns nur, wenn wir wieder im Ferienhaus waren und die Farben der Uckerma40brk kommen auch ohne die direkte Sonne zur Geltung.
Morgen geht es also wieder nach Berlin. Ich freue mich sehr auf Uli und unsere Katzen und darauf eine weitere Woche ausschlafen zu können. Zudem hoffe ich darauf, dass wir morgen Abend schon ein Familienmitglied mehr sein werden. 😀