.10153987_621686237906774_6258293112101750352_n.. und das zeigt mir jeden Tag aufs Neue, dass ich das Richtige getan hab. Von Silke bekomme ich weiterhin fast täglich Berichte und Fotos. Renfield und sie werden langsam aber sicher ein gutes Team.

Roan zeigt Verhaltensweisen, die er schon soooo lange nicht mehr gezeigt hat. Bei einigen davon war mir aufgefallen, dass ich sie schon länger nicht mehr gesehen hatte, bei anderen nicht. Er bewegt sich viel freier, muss nicht mehr beschwichtigen, deeskalieren oder Rücksicht nehmen. Er sühlt sich wieder mehrmals täglich genussvoll auf dem Boden und fordert mich zum Jagdspiel auf, ohne dass jemand dazwischengretscht. Er ist einfach enorm entspannt und freier in seinen Äußerungen. Draußen mit Hündinnen ist er wie immer – bei Rüden kehrt er ein wenig den Poser raus, aber das wird immer weniger. Dennoch merke ich, wie ich es meide, auf andere Hunde und Menschen zu treffen. Ich verkrieche mich extrem und hab es bis jetzt nicht ein einziges Mal übers Herz gebracht, wieder auf den Hundeplatz zu gehen, aus Angst, dass mich dort alles an Blubbchen und meine Hundesportpläne erinnert. Aber das ist nicht fair gegenüber Roan und daher hab ich mir fest vorgenommen kommenden Dienstag zum Agi zu gehen. Eventuell brauch ich kurz vorher aber nochmal einen Tritt in den Allerwertesten. 😉 Morgen gehe ich ohne Roan zu Juuhu und fange wieder an die Basisgruppe zu trainieren.

Auch körperlich geht es Roan gut. Die Verspannungen gehen durch meine T-Touch-Behandlungen zurück und die Narbenbildung sieht auch gut aus. Trotzdem überlege ich, ob ich mal mit ihm zur Physiotherapie gehe. Falls jemand eine Empfehlung hat, gerne her damit! Seine Muskelmasse hat ziemlich abgenommen, aber das bekommen wir bald wieder hin. In einigen Wochen wird das Fell auch wieder so nachgewachsen sein, dass man gar nichts sieht. Er hat wirklich großes Glück gehabt. Wäre die Wunde am Bauch einen Zentimeter tiefer gewesen, sähe das Ganze etwas anders aus. Aber darüber will ich gar nicht nachdenken.

Mir selbst geht es besser – ich hab den schlimmsten Punkt überwunden. Das hoffe ich zumindest. Einige sehr sehr liebe Menschen sind jetzt für mich da. Die Stunden, in denen ich nicht hässliche Bilder oder Gedanken im Kopf habe, werden immer mehr. Aber natürlich werde ich häufig angesprochen und jedesmal zieht es dann in meinem Bauch und ich falle wieder. Häufig, wenn ich bei uns mit Roan spazieren gehe, kommt von jemandem der Satz „Oh – heute nur mit einem?“. Das ist verständlich und macht mich auch nicht böse. Aber es tut halt weh.

Zweimal wurde mir jetzt schon ein Zweithund angeboten. Auch das ist lieb gemeint, aber für mich vollkommen ausgeschlossen. Die Situation hier war schon sehr speziell und ich denke, die Wahrscheinlichkeit, dass das nochmal vorkommt ist sehr gering. Aber ich bin erstmal geprägt davon und hätte viel zu viel Angst, dass so etwas in der Art nochmal passieren könnte, auch wenn mein Verstand weiß, dass das unwahrscheinlich ist.

Mein Alltag kommt mir immernoch unrealistisch vor. Ich gucke für meine Verhältnisse richtig viel Fernsehen, weil ich mehr Zeit habe und ich hab keinerlei neue „Freizeitziele“. Auf Dau10153257_620566184685446_2080559433765291906_ner wird das nicht gut gehen – ich brauche mehr Herausforderungen. Ich hab begonnen im Garten einer lieben Freundin Beete anzulegen und werde voraussichtlich nächste Woche Gemüse anpflanzen. Dort allein mit Roan im Garten zu sein ist schön und friedlich. Letztes Wochenende ist direkt über unsere Köpfe ein sehr niedrig fliegender Schwarm Kraniche geflogen. Diese Naturerlebnisse liebe ich. Allmählich kann ich mich auch wieder über Dinge freuen. Noch bis vor wenigen Tagen war mir alles vollkommen egal. Was ich aber noch abstellen muss, ist meine Überfürsorglichkeit gegenüber Roan. Er ist ein taffer Kerl, der das alles bereits jetzt super verarbeitet hat. Letztens war Nadine bei uns mit ihren beiden Mäusen und Roan landete aus Versehen bei einem Sprung auf Maxi. Maxi stand knurrend auf, weil es ihr weh tat und legte ihr Maul auf Roan. Roan beschwichtigte und alles war total entspannt. Und was machte ich? Reflexartig brüllte ich und sofort schossen mir die Tränen in die Augen. Dabei war die Situation wirklich absolut entspannt und von beiden souverän gelöst. Nadine guckte mich nur mit großen Augen an. Ich hoffe, dass auch ich bald wieder die Alte bin und diese Panik ablegen kann.

10153706_621138641294867_5600183364502407266_n

Morgen ist der letzte Schultag und dann sind zwei Wochen Osterferien. Am Wochenende fahre ich allein zu meinen Eltern – dort war ich schon sehr lange nicht mehr. Roan bleibt bei Herrchen. Der Abstand wird mir vielleicht ganz gut tun. In den Ferien werd ich Unterrichtsentwürfe ausarbeiten, aber muss natürlich auch was Spaßiges machen. Falls jemand Lust auf einen Spaziergang mit uns hat, würde ich mich sehr freuen. Ich muss mal langsam wieder anfangen mein Leben zu lieben. So wie Roan.